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STREETART - Düsseldorf-Gustaf-Gründgens-Platz                           Oktober 2015

Eigentlich wollte ich mich nur mal ein bisschen treiben lassen, Fahrrad schiebend im Getümmel von Schnäppchenjägern in Billigwarenhäusern. Das Ramschkauf-

haus mit dem großen "P" gerade passiert, fällt mein Blick an einer kleinen Seiten-

straße auf das Düsseldorfer Schauspielhaus mit der viel diskutierten, "schützens-

werten" Betonmauer davor. Von der besonderen Wirkung die von diesem Anblick ausging, fühlte ich mich magisch angezogen. Zum Glück war das i-Phone gerade aufgeladen. Der gesamte, wenig geliebte Gründgens-Platz ist inzwischen sehr stark geprägt von Graffity-Kunst. Mauern, Häuser, Boden, alles voll mit Farbe und Botschaften. Wie lange ist es her, dass ich hier vorbeigeradelt bin? Es muss seit Sommer gewesen sein, denn im August, so konnte ich rausfinden, gab es ein internationales "urbanart festival" – komplett an mir vorbei gegangen. Die leicht verblassten Überbleibsel des Riesenprismas in der MItte des Platzes kann man noch bewundern. Umstehende ältere Häuser sind flächendeckend mit einbezo-

gen worden. Die Mauerteile ringsherum unterliegen wahrscheinlich einer stetigen kreativen Veränderung. Zur Verfügung gestellte Flächen für Graffity-Künstler, gerade in der Mitte von Düsseldorf ist eine super Sache und für mich sehr inspirierend. Dass der Platz durch die Erhaltung dieser Kunst-Flächen zukünftig besser funktionieren könnte, glaube ich allerdings nicht. Auch bezweifle ich, dass ein talentfreier Künstler es dadurch unterlässt, seinen Müll an frisch renovierte Hauswände zu sprayen. Bei schönerem Wetter muss ich nochmal hin.

 

ART COLOGNE - Der Klassiker                                                       17. April 2015
da es für mich ja immer feststand, dass ich Kunst machen will, trieb es mich als junge Studentin 1981 schon nach Köln in die Messehallen zur „Westkunst“. Seit 1984 dann immer mal wieder im November auch auf die ART COLOGNE. Eher abgeschreckt fühlte ich als Schöngeist mich damals von der präsentierten Kunst, die eher als politische Provokation gemeint war, wie blutige Performances oder malende Affen. Zwiespältig stand ich vor Werken, die abgesehen von der „enormen“ Geistesleistung wohl eher in 30 Minuten fertig gestellt waren. Riesige, rein schwarze Flächen oder zur Kunst erhobene Alltagsgegenstände. Wie begeistert war ich aber, wenn ich die Entwicklungsphasen in der Malerei eines Pablo Picasso miterleben konnte, der schon mit 12 Jahren meisterhafte Bilder malte. Nach der Malerei wäre der Beruf des Galeristen auf jeden Fall die Wahl gewesen. In diesem Jahr wurde ich eingeladen, die Art Cologne zu besuchen und eine kurze Führung mitzumachen. Ich wurde sogar zu Hause in Düsseldorf abgeholt und bis vor das neue wunderbare Messeportal in Köln Deutz chauffiert. Ein Unterschied zur ART COLOGNE im November der 80er, wie er krasser kaum sein könnte. Kunst im Beisein elegant gekleideter Kunstinteressenten im Frühling bei herrlichstem Wetter in der neu gestalteten Architektur der Messe Köln zu erleben, das war schon etwas Besonderes. Ich entdeckte meine alte Liebe ganz neu. Klar - da gab es immer noch Kunstobjekte wie angepinselte Pappkartons, einen geöffneten Werkzeugkasten oder schwarze, große Flächen, aber in der Art der Präsentation der vielen Galerien und deren Konzept, der Mischung von Malerei und Objekt und natürlich einer subjektiv völlig anderen Wahrnehmnung als 1981, war die Veranstaltung nicht nur für mich ein voller Erfolg. Nicht umsonst wurde Kunst diesmal auf 3 Etagen gezeigt. Das angeblich teuerste Werk, das angeboten wurde war ein Gerhard Richter aus der Zeit, als er noch nicht so „teuer“ war. Ein eher kleines, buntes abstraktes Gemälde, etwa 60 x 80 cm, für 2,8 Mio. Mich erinnerte es an die Mischtrommeln, die es in den 80ern auf Rummelplätzen gab. Man konnte selbst kreativ werden und alle möglichen Farben in die laufende Trommel spritzen. Ein anderer Künstler rahmte einzelne, angeblich von anderen Künstlern stammende Haare, oder eine Künstlerin fädelte Stubenfliegen auf Nylonfäden auf und bastelte daraus eine Art Mobile im Acryl-

kasten. Zum Glück habe ich heute eine andere Sicht auf die Dinge als 1981 und finde fast alles gut, was kreative Menschen sich einfallen lassen. Als Anlage-

objekt muss ich diese Art von Kunst ja nicht gerade betrachten. Bleibt weiter kreativ...

 

GOLDGRÄBERSTIMMUNG IN DER KARLSTADT                                   09. 01. 2015
Die harmlose Einladung einer Bekannten führte mich in der ersten Woche des Jahres in die Verkaufsräume eines Modelabels in der Hohe Str. :D zum „Flohmarkt“. Weder das Modegeschäft war mir bekannt, noch konnte ich mir unter einem „Flohmarkt“ in einem solchen etwas vorstellen. Mit dem Vorsatz, mich nur mal zu informieren und auf keinen Fall was zu kaufen, kam ich um kurz nach 11 Uhr vor dem unscheinbaren Laden an, den man auch gut hätte über-

sehen können an einem normalen Tag. Nur das, was ich in diesem Augenblick wahrnahm, war fern jedes Normalen. Im Inneren tummelte sich eine Armee von tapferen, kauf- willigen Damen jeden Alters, deren Anblick mich fast zum Umkehren bewog - doch ich war ja verabredet. Vorsichtig betrat ich den Schau-

platz, dessen Atmosphäre wirklich alle Sinne ansprach. Visuell, akustisch, haptisch und leider auch olfaktorisch. Das Niveau der Kundinnen war eindeutig gehoben und typisch für unsere Stadt - gebildet, wohlhabend und absolut kreativ. Kleine, runde, schwarze Künstlerbrillen, flache Qualitätsschuhe der klobigeren Art und Problemfigur umspielende Kleiderschnitte, wie die des vertretenen Labels. Blitzschnell erkannte ich das „Flohmarkt-System“. Entlang der Wände sind Klamotten auf dem Bügel heruntergesetzt um einen bestimmten Prozentsatz, also immer noch viel zu teuer. Während in der Mitte des Raumes große Wühl- und Krabbeltische Mengen von Kleidungsstücken jeder Art beher-

bergen zum Spottpreis. Jacken 60, Shirts 20 oder Kleider 40 EUR, die vorher ein mehrfaches gekostet haben. Was macht es da schon aus, wenn Frau die meisten Sachen gar nicht wirklich gebrauchen kann oder vielleicht nicht ganz so gut gefallen. Die Jagd war eröffnet. Verkäuferinnen, auf Anhieb nicht als solche identifizierbar, räumten alle halbe Stunde ein bisschen auf und schmissen neue Teile, die vielleicht vorher auf dem Bügel hingen, in die Wühl-Boxen. Die kulti-

vierten Elitekundinnen hatten manchmal sichtlich Schwierigkeiten ihre gute Erziehung nicht zu vergessen um sich stattdessen einfach auf die Beute zu stürzen. Kaufen um den Beutetrieb zu befriedigen. Am liebsten hätte ich mich zu den am Rande platzierten Herren, wohl abgestellten Ehemännern, gesellt, die scheinbar völlig teilnahmslos die Szenerie beobachteten. Manche verzogen keine Miene, andere konnten sich ein Grinsen nicht verkneifen, wieder andere Ange-

graute nahmen gleich ein Bad mitten in der Weibermenge. Beim Verlassen des Ladens atmete ich einmal tief durch und stellte lapidar fest, dass ich mich in einer Art Rausch befunden haben musste. Schuldlos verursacht baumelte an meinem Arm eine kleine Tüte mit 4 Teilen, immerhin Designerteile. Das, was bei einem deklarierten „Flohmarkt“ psychologisch so abläuft werde ich mir für künftig anstehende Marketingmaßnahmen auf jeden Fall im Hinterkopf behalten.

 

STURMBRETTCHEN                                                                           12. 12. 2014

Eine tolle Idee ist mir vor einigen Tagen hier im sturmbetroffenen Düsseldorfer Stadtgebiet begegnet: Mit der Aktion "Sturmbrettchen" hat es eine Gruppe Designer der FH Düsseldorf geschafft, aus umgefallenen Bäumen schön gestaltete unikate Küchenbrettchen in größerer Menge zu fertigen und diese zu Geld zu machen. Selbstverständlich eine Charity-Aktion deren Erlös der Baum-

Neupflanzung im Hofgarten zugute kommt. Eine klassische "Win-Win"-Aktion von ernormem Erfolg. In mehreren Phasen wurden die Brettchen an einem ebenso schön gestalteten Verkaufsstand im "Stilwerk" verkauft. In der "Phase 1" ging ich schonmal leer aus. Aber dann, die "Phase 2"-Schlange der vorgemerkten Käufer schlängelte sich Montag um 20 vor 10 schon einmal um das gesamte Areal. Viele hatten sich ein paar Stunden frei genommen und versuchten mit allen Tricks die Abnahme-Begrenzung von 5 Brettchen irgendwie zu umgehen. Bei 30 € pro Stck kommt da immerhin einiges zusammen. Jeder der Beteiligten, Verkäufer, Käufer oder Passanten äußerte jedenfalls seine Ver- und Bewunderung über diesen Ansturm. Mit einer guten Idee kommt man eben doch am weitesten.

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